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von Karl Heinz Lorenz
Die Krise ist noch nicht vorbei. Sie war im Vorfeld klar abzusehen, kam dann schneller als erwartet, heftiger als befürchtet und sie streckt ihre dunklen Tentakel in jeden Winkel unserer Wirtschaft. Davon verschont bleibt kaum ein Absatzmarkt, weder im Binnenmarkt, noch im Exportgeschäft. Es gilt, den Härten der aktuellen Krise mit aller Entschlossenheit, guter Führungsarbeit, mit klaren Zielen, einem motivierten Team und geeigneten Mitteln entgegenzutreten.
Führen heißt, eine Welt zu gestalten, der andere Menschen gerne angehören wollen – auch in schwierigen Zeiten.
Doch allein der Mut der Verzweiflung als Grundlage für Führungsarbeit reicht nicht aus. Marktstrategien und Geschäftspläne müssen schnellstens und sehr konkret mit fassbaren Inhalten, Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Umsetzungsterminen an die veränderte Situation angepasst werden. Vorhandene Stärken sind zu aktivieren, Schwächen auszugleichen, Mitarbeiter und Teams auf Leistung und Zusammenhalt für diese Aufgaben zu motivieren. Eine ernstzunehmende Herausforderung für alle Manager und die Gelegenheit, ihre ganz persönliche Souveränität zu beweisen und weiter zu entwickeln, um ihr Unternehmen vorbildlich und am Ende erfolgreich durch die Krise zu führen.
Bei einer Umfrage, die die Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft durchführte, wurden folgende persönliche Eigenschaften von Managern in Krisenzeiten besonders hoch bewertet: Wahrhaftigkeit, Begeisterungsfähigkeit, Belastbarkeit, Fachkompetenz, Moderationskompetenz bei Konflikten, Einfühlungsvermögen, Kreativität, Durchsetzungsfähigkeit, Gelassenheit und Mut. Krisenzeiten bieten jede Gelegenheit, diese, Ihre Eigenschaften in den Dienst des Unternehmens zu stellen.
Von wegen: „Krise, und keiner geht hin.“ Es hilft nicht wirklich, die schwierige Situation, in der die Wirtschaft immer noch steckt, einfach weg zu ignorieren. Das gibt Ihren Mitarbeitern und Ihnen selbst keine Sicherheit. Und: Vom „Kopf in den Sand stecken“ werden keine handfesten Konzepte entstehen, die Sie und Ihr Unternehmen erfolgreich durch diese Phase führen. Vor allem die Mitarbeiter erwarten von ihren Führungskräften klare Stellungnahmen, offenes Ansprechen der Ängste und Risiken für alle Beteiligten. Ohne Offenheit entstehen unweigerlich Gerüchte und eine heimliche Ersatzkommunikation, die die konstruktive Atmosphäre, die auch unter Druck positiv und motivierend sein kann, gefährdet. Ein Plus an Information erbringt in der Regel auch eine Zunahme an Verantwortungsbewusstsein bei allen.
Und ebenso umgekehrt: Klare Maßnahmen schaffen eine klare Situation. Es gilt, nicht den Teufel an die Wand zu malen, sondern so objektiv wie möglich, Risiken und Chancen, die Stärken und Schwächen aufzuzeigen, um auf dieser klaren Basis einen ebenso klaren und erfolgreichen Weg entwickeln zu können. Ein hervorragendes, einfaches Hilfsmittel zu Ermittlung der aktuellen Situation Ihres Unternehmens, Ihres Teams stellt die SWOT-Analyse (SWOT=Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) dar. In geeigneter Runde, zum Beispiel gemeinsam mit anderen Führungskräften oder Experten aus dem Team, werden die Stärken und Schwächen des Unternehmens ermittelt und daraus resultierend die Chancen und Risiken abgeleitet. Auf dieser nun transparenten Situation können sehr gut geeignete Maßnahmen zum Verwirklichen der Chancen und zur Vermeidung oder Abschwächung der Risiken entwickelt werden. Diese Maßnahmen in einen zeitlichen Rahmen gebracht und mit Verantwortlichkeiten versehen ergibt eine klare Roadmap für die kommenden Monate. Sie werden bereits während des laufenden Prozesses sehr gut erkennen können, wer von Ihrem Team auch in Krisenzeiten mit Mut und Engagement wichtige Aufgaben unter Druck stemmen kann, wer sich engagiert und für das Unternehmen Verantwortung übernimmt. Eine sehr gute Gelegenheit für Einzelne, ebenso wie für das Gesamtteam, schlummernde Talente und Leistungsreserven neu zu erschließen.
Als Kopf des Unternehmens oder eines Bereichs stehen Sie ganz persönlich für die Verwirklichung der Unternehmensziele und die Verhaltenskultur ganz besonders in Krisenzeiten. Hier ist – ganz altmodisch und zugleich aktuell wie nie zuvor – die Führungskraft als Vorbild gefragt. So, wie Sie sich geben, so wird sich Ihr Team geben. So mutig und motiviert Sie an die Aufgaben gehen – genau daran orientieren sich auch die Mitarbeiter und Kollegen im Führungskreis. Geben Sie den Mitarbeitern einen gewissen Freiraum, wenn sie diesen suchen, um bessere Lösungen als bisher zu erzielen. Bleiben Sie jedoch auch am Ball und halten Sie einen engen Kontakt mit allen. Leitlinie: Konsequenzen und Wirkung sofort spürbar machen! Nicht alle können von heute auf morgen mehr Verantwortung schultern und benötigen unter Umständen etwas mehr Führungsbegleitung und Motivation von Ihnen. Im Wort Motivation steckt das Wort Motiv. Es sind vor allem die Ziele und gemeinsamen Leitlinien, die uns als Team vorwärts bringen. In schwierigen Zeiten sind diese Ziele umso klarer zu vermitteln und permanent aufzuzeigen. Jeder Schritt in Richtung Zielerreichung ist wichtig und sollte gesehen werden, auch wenn es während der Krise gelegentlich einmal kleinere Schritte sein sollten.
Auf diese Ziele gilt es das ganze Team einzuschwören. Holen Sie damit jeden, auch jeden möglichen Außenseiter am Rande der Arbeitsgruppe an Bord. Gerade eine Bedrohung von außen kann ein Team richtig gut zusammenschweißen. Es entdeckt über die gemeinsame Entwicklung erfolgreicher Maßnahmen gegen die Bedrohung die tatsächliche (Tat ~ etwas tun) Leistungsfähigkeit, die in jedem Einzelnen und in Summe im Team steckt. Sie hilft, Brücken über bisher Trennendes zu schlagen, alte, bisher unaufgeräumte Konflikte endlich zu bereinigen und ad acta zu legen, den Kopf nach vorne zu richten und sogar richtig Spaß zu haben bei den dann eintretenden Erfolgserlebnissen.
Karl Heinz Lorenz (46), Diplom Betriebswirt (BA), Unternehmensberater und Trainer ist Inhaber von Lorenz-Seminare in Weidenthal/Pfalz.


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